Ich darf doch jetzt nicht traurig sein … oder? Warum deine Gefühle niemals dein Feind sind
- Barbara Pletzer
- 5. Aug.
- 3 Min. Lesezeit
Kennst du das? Du bist traurig. Doch fast sofort meldet sich eine innere Stimme.
„Reiß dich zusammen.“
„Andere haben es viel schwerer.“
„Jetzt funktioniere einfach.“
„Du darfst jetzt nicht weinen.“
Viele Frauen haben genau das gelernt. Gefühle möglichst schnell wegzumachen, sie wegzudrücken oder sich dafür zu schämen. Vielleicht funktioniert das sogar eine Zeit lang. Du lächelst, kümmerst dich um alle, erledigst deine Aufgaben und machst weiter.
Doch Gefühle verschwinden nicht, nur weil wir sie ignorieren. Sie warten. Und irgendwann melden sie sich wieder – oft lauter als zuvor.
Gefühle sind kein Zeichen von Schwäche. Sie sind ein wichtiger Teil von dir und haben alle eine Aufgabe. Traurigkeit zeigt dir, dass etwas in deinem Leben Aufmerksamkeit braucht. Wut macht dich darauf aufmerksam, dass eine Grenze überschritten wurde. Angst möchte dich schützen. Enttäuschung zeigt dir, dass etwas anders gelaufen ist, als du gehofft hast. Freude erinnert dich daran, was dir guttut.
Gefühle sind deshalb keine Fehler. Sie sind dein inneres Orientierungssystem. So wie körperlicher Schmerz dich warnt, wenn etwas nicht stimmt, zeigen dir Gefühle, was deine Seele gerade braucht.
Viele Frauen versuchen trotzdem, ihre Gefühle möglichst nicht zu spüren. Sie wollen stark sein, für ihre Kinder da sein, funktionieren und niemandem zur Last fallen. Also werden Tränen heruntergeschluckt, Wut unterdrückt und Enttäuschung weggelächelt.
Doch Gefühle verschwinden dadurch nicht.
Sie suchen sich einen anderen Weg.
Manche Frauen werden ständig gereizt und wissen selbst nicht warum. Andere fühlen sich innerlich leer. Manche brechen wegen einer Kleinigkeit in Tränen aus, obwohl sie eigentlich schon seit Monaten erschöpft sind. Wieder andere spüren irgendwann gar nichts mehr und haben das Gefühl, wie betäubt durchs Leben zu gehen.
Auch der Körper kann reagieren. Verspannungen, Schlafprobleme, innere Unruhe, Erschöpfung oder ständiger Stress können dadurch verstärkt werden. Unser Körper und unser Nervensystem sind eng mit unseren Emotionen verbunden. Werden Gefühle über lange Zeit ignoriert, bleibt unser gesamtes System häufig in Alarmbereitschaft.
Viele Menschen haben Angst vor ihren Gefühlen. Sie glauben:
"Wenn ich einmal anfange zu weinen, höre ich nie wieder auf."
Oder:
"Wenn ich meine Wut zulasse, verliere ich die Kontrolle."
Doch Gefühle verhalten sich oft genau andersherum.
Sie möchten wahrgenommen werden. Sie möchten gesehen werden. Ein Gefühl, das angenommen werden darf, wird oft mit der Zeit wieder leiser. Gefühle wollen nicht dein Leben bestimmen. Sie möchten dir etwas mitteilen.
Besonders Frauen verdrängen häufig dieselben Emotionen.
Traurigkeit, weil kaum Zeit bleibt, wirklich wahrzunehmen, was fehlt.
Wut, weil sie gelernt haben, lieb und verständnisvoll zu sein, selbst wenn ihre Grenzen immer wieder überschritten werden.
Schuldgefühle, weil sie glauben, nie genug zu sein – weder als Mutter, Partnerin noch als Frau.
Überforderung, weil sie ständig Verantwortung tragen und sich selbst dabei vergessen.
Angst, anderen nicht zu genügen oder Fehler zu machen.
Einsamkeit, obwohl sie jeden Tag von Menschen umgeben sind.
Und oft auch eine tiefe Sehnsucht nach Ruhe, Freiheit, Leichtigkeit und dem Gefühl, endlich wieder sie selbst sein zu dürfen.
Vielleicht erkennst du dich in einigen dieser Gefühle wieder. Dann möchte ich dir etwas sagen:
Mit dir ist nichts falsch.
Du bist nicht zu sensibel.
Du bist nicht schwach.
Du bist ein Mensch mit Bedürfnissen, Grenzen und Gefühlen.
Und genau diese Gefühle verdienen es, gesehen zu werden.
Du musst sie nicht sofort verändern. Du musst sie nicht analysieren oder lösen.
Vielleicht reicht heute schon eine einzige Frage:
Welches Gefühl möchte gerade von mir gesehen werden?
Bleib einen Moment bei der Antwort.
Ohne sie zu bewerten.
Ohne sie wegzuschieben.
Einfach nur wahrnehmen.
Denn Gefühle dürfen da sein.
Sie machen dich nicht schwach.
Sie machen dich menschlich.
Wenn du spürst, dass dich deine Gefühle im Alltag oft überwältigen oder du den Zugang zu ihnen verloren hast, musst du diesen Weg nicht alleine gehen.
Im Mitgliederbereich von Lieb Dich findest du Meditationen, Podcasts und Übungen, die dich dabei begleiten, deine Gefühle liebevoll anzunehmen, besser zu verstehen und Schritt für Schritt wieder in Verbindung mit dir selbst zu kommen.
Denn Heilung beginnt oft nicht damit, etwas wegzumachen.
Sondern damit, endlich hinzusehen.
Vielleicht ist genau heute der richtige Moment, dir selbst zuzuhören.



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